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Potentialanalyse des Bauvolumens von Bürohochhäusern (1950 – 70)

Die Potenzialanalyse ist ein Teilprojekt des Forschungsvorhabens HochhausBestand (HHB) der Professur Neuere Baudenkmalpflege (Prof. Putz) in Kooperation mit dem LS für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen (Prof. Auer) sowie dem LS für Bauphysik (Roland Göttig) der TU München. Es befasst sich aus baudenkmalpflegerischer und gebäudetechnischer Perspektive mit den Potentialen der Erhaltung und Erneuerung von Bürohochhäusern der 1950er bis 1970er Jahre.
Mittlerweile in die Jahre gekommen, werden diese Verwaltungsbauten zunehmend saniert, umgebaut und instandgesetzt, oft genug aber auch abgerissen. Die bauliche Aufgabe der Erhaltung dieser Objekte ergibt sich aus dem komplexen Zusammenspiel technologischer Fragestellungen, den Auswirkungen neuer funktionaler und energetischer Standards und Normen auf den Bestand, sowie aus den laufenden Prozessen stetigen Unterhalts, Instandsetzung, Anpassung und Umnutzung.
Städtebaulich markant und prägendes kulturelles Erbe der Wirtschaftswunderzeit, sind diese Objekte aber seit längerem auch Gegenstand denkmalpflegerischer Bestrebungen, was oft genug zu weiteren Zielkonflikten führt. Denn bisher existiert kein einheitliches denkmalpflegerisches Erfahrungswissen für diesen Gebäudebestand, das über markante architektonische Gestaltungselemente hinaus die baulich-konstruktiven, materiellen, gebäudetechnischen und energetischen Herausforderungen berücksichtigt, sowie die Notwendigkeiten, die sich aus aktuellen Baunormen und Standards ergeben.
Das Gesamtvorhaben dient dazu, auf eine Best-Practice einzuwirken und denkmalpflegerische Zielstellungen mit Blick auf die gegebenen Bedingungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Erhaltung und Erneuerung abzugleichen. Dabei geht das Vorhaben von der These aus, dass eine langfristige nachhaltige Erhaltung nur durch bewusste Instandhaltung und kontinuierliche bauliche Erneuerung des Gesamtbauwerks und seiner Teile gewährleistet werden kann.
Die angestrebte Potenzialanalyse basiert auf öffentlich zugänglichen Daten, Denkmal-/Gebäudekatastern, historischer Quellenrecherche sowie auf einem Survey, der sowohl große öffentliche wie private Immobilienverwaltungen einschließt. Im Rahmen einer vergleichenden Lebenszyklusanalyse sollen darüber hinaus für einen aussagekräftigen Teilbestand (Bayern, Baden-Württemberg) die in den Jahren seit Baufertigstellung erfolgten Investitionen zur kontinuierlichen Instandhaltung und die zeitliche Frequenz umfangreicherer Bauerneuerungen ermittelt werden. Diese dienen zur Abschätzung zukünftigen Erneuerungsbedarfs. Die erfassten Daten werden georeferenziert (GIS) und dienen über semantische Verknüpfungen der weiteren Auswertungen im Rahmen des Projekts.
Erstmals werden mit dem Teilprojekt verlässliche Daten über den Gesamtbestand an Bürohochhäusern der Baujahre 1950-1980 in Deutschland erfasst. Diese Daten erlauben typologische Aufschlüsse über die gebundene Graue Energie, Baustoffe, Bauteile und Bausysteme. Die vergleichende Erfassung von Energieverbräuchen (vor und nach Sanierungen) zeigt Einsparpotentiale auf. Indem die Dynamik dieses Gebäudebestands zeitlich-räumlich abgebildet wird, dient die Studie der Abschätzung des mittelfristigen zukünftigen Umbaubedarfs und dient dazu, die vorhandenen, im Bestand gebundenen Ressourcen dauerhaft zu erhalten.